Samstag, 17. Juli 2010

Hühnertagebuch

Ich habe ein neues Projekt. Ich habe von meinem "alten" Team 2 Hühner geerbt. Ich habe sie "Maus" und "Opossum" getauft.
Maus ist weiß mit einem schwarzen Schwanz, recht zierlich und sehr zutraulich. Opossum ist ziemlich bunt, aber dunkel gehalten, groß und schlank, nicht ganz so zutraulich, aber auch nicht scheu.

Insgesammt haben wir in unserem Hühnerparadis 7 Hühner, zwei Hähne, ca 7 Truthähne und eine Schildkröte, die aber Selbstversorger ist.

Mein Ziel ist: Eier! Ich will viele und große! Ich stehe auf Rührei am Sonntagmorgen!

Nachts schlafen die Guten normalerweise in einer Hütte. Da sich die Truthähne aber so breit machen, schlafen immer mehr arme Hühner draußen. Das ist gefährlich! Katzen, Schlagen und sonstige Diebe... Und: sie legen draußen keine Eier!

Also hab ich heute eine weitere Hühnerstange "installiert" und 3 weitere Nistplätze.

Ich halte euch auf dem laufenden!

Dienstag, 13. Juli 2010

Fakten, Fakten, Fakten

Mir wurde desöfteren vorgeworfen, ich würde zu wenig schreiben, zu wenig Infos geben, man könne sich das alles nicht vorstellen. Hier die Fakten:

- wir hatten ein Team aus 3 deutschen Jungs, 3 deutschen Mädels (inkl. Mir), 1 afrikanischen Jungen, 1 junges, deutsches Paar ohne Kinder und ein bisschen älteres, deutsches Paar mit 1 Mädchen die auf der Station wohnen.

- die 3 deutschen Jungs & beide deutsche Paare sind inzwischen zu Hause.

- tagsüber kommen noch ca 10 weitere afrikanische Mitarbeiter zum Arbeiten, die nicht auf Station wohnen.

- auf unserer Station gibt es 6 Gebäude: 1 Schreinerei, 1 Gästehaus, 1 Werkstatt mit Trompetenwerkstatt und Dieseldepot, 1 Küche mit offenem Esszimmer, 2 Häuser mit 2 Wohnungen für Familien, Teamräume, kleinem Appartement, Elekrtooffice, Büro und Filmdepot.

- dann befinden sich auf der Station noch ein paar Felder um Maniok anzupflanzen, die wir vermieten, zwei Mango- und zwei Avocadobäume, ein Garten in dem wir Hirse, Zitronengrass und Papaya anpflanzen, ein Hühnerparadis in dem Hühner, Truthähne, Perlhühner und die ein oder andere Schildkröte leben.

- es gibt noch ein Aquarium mit selbst gefangenen Süßwasserfischen, zwei graue Papagaie, Kaninchen und einen Hund hier. Wild sind noch ein paar Katzen, Ratten, Mäuse, Gekkos ohne Ende und Massen an Insekten und Krabbelviechern. Ab und zu die ein oder andere Schlange.

- unser Fuhrpark besteht aus vielen heilen und kaputten Fahrzeugen. Unimogs, G-Benz, 9/11er Mercedes, Trecker, etc sind dabei

- Strom haben wir rund um die Uhr durch Generator und Power-Back, Wasser auch immer fließend, aber nur warm, wenn die Sonne geschien hat.


Das um einen etwas besseren Einblick zu bekommen. Bei Fragen bitte Kommentar hinterlassen :-) Evtl gibt’s eine Fortsetzung.

Sonntag, 18. April 2010

Ostern

ist zwar schon ein wenig her, aber hier noch ein paar Fotos. Wir haben nämlich Eier gefärbt – nein, nicht mit Erde, Zwiebelschalen, Blättern und Kuhmist (oder was man in Deutschland sonst noch für Vorstellungen über Afrika hat) sondern mit importierten Eierfarben.
ABER wir haben sie zusätzlich bemalt (wir hatten allerdings nur einen Edding) und das nur mit Sachen die uns in unserem alltäglichen afrikanischen Leben begegnet...

Seht her:

Unser Tageswerk


Fufu

Ganz und gar nicht lecker! Eine klebrige Masse aus Maniok- und Hirsemehl

Einen Hefezopf hab ich auch gemacht

Mittwoch, 3. März 2010

Man soll sich

über kleine Dinge im Leben freuen. Hier ist ein großer Teilerfolg, über den ich mich sehr freue: Ich kann jetzt mit meinem Mac drucken... Klingt komisch – ist aber so. Ich muss jetzt nicht mehr alle Sachen auf einen Stick packen und von einem anderen Rechner ausdrucken. Ein keiner Schritt für das Diguna-Büro, aber ein GOSSER für mich!

Wenn ich jetzt noch bald ins Internet mit DIESEM Rechner komme, ist das Leben im Büro perfekt. :-)

Samstag, 13. Februar 2010

Der Boden der Entbindung

Keiner weiß, was er schon alles mit gemacht hat, was er in sich aufgesogen hat, ohne es je wieder her zu geben. Keiner weiß was er alles gesehen hat...

Das Blut tropft vom Tisch und klatschen leise auf die Erde. Die Schreie verhallen, die Atmung wird langsamer. Der Schmerz weicht langsam und die Erschöpfung macht sich breit. Und trotzdem ist da die unbeschreibliche Freude, der Stolz – es ist vorbei!

Blut, Fruchtwasser und Straßenstaub werden immer tiefer in die feinen Poren des Bodens getreten. Wieder mal war eine Geburt auf der Entbindungsstation in Aru. Wieder wurde er Zeuge des unglaublichen Wunders, wenn einem neuen Erdenbewohner das Leben geschenkt wurde.
Erst 1-2 Stunden vorher kam ein schüchternes junges Mädchen durch die Tür. Wie alt mochte sie sein? 14? Vielleicht. Aber was macht das schon? Hochschwanger hatte sie sich durch die Sonne geschleppt. Schweiß lief ihr die Stirn herunter und tropfte auf ihr buntes afrikanisches Gewand.
Nach der Untersuchung hatte man ihr eine dünne Strohmatte auf die Erde gelegt, auf der sie die nächste Zeit mit ihren Wehen kämpfte, bis es soweit war. Das Fruchtwasser hatte sich durch die Lücken ihren Weg gebahnt und wurden gierig vom Boden aufgesogen.
Nach gefühlt endloser Zeit war es soweit gewesen. Die Zeit war gekommen um ihrem Sohn das Leben zu schenken.
Jetzt, wo sie wieder im großen Saal war, mit etwa 10 anderen Müttern und ihren Neugeborenen, wurde der Boden in der Entbindung notdürftig gesäubert. Lauwarmes Wasser und ein wenig Waschpulver mussten hierfür genügen. Desinfektionsmittel wurde nicht hierfür verschwendet. Glassplitter von zerbrochenen Ampullen, Schweiß, Speichel von Babys, Urin und alles was sich in den vergangenen Stunden (oder waren es Tage?) angesammelt hat, wurde oberflächlich entfernt.
Und während es die Auszubildende mit ihrem Eimer schon in die 2. Hälfte des Raumes geschafft hatte, saßen die Hebammen auf der anderen Seite fröhlich auf den Plastikstühlen. Eine häkelte eine Mütze, bei der die Neongelbe Wolle bei jedem Zug lustig auf dem Boden hüpfte. Ihr Kollegen schenkte Kaffee ein. Das die Plastikbecher auf der Erde stehen, macht hier niemandem was aus.
Und auch der Kaffee, der aus der undichten Kanne tropft wird bei den Temperaturen sicher bald verdunstet sein und nur einen weiteren dunklen Fleck auf dem Boden der Entbindung hinterlassen.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Andere Länder, andere Sitten...

Das merke ich auch hier immer wieder. Einige Beispiele:

-Es gibt in einigen Regionen hier nicht so viel Essen. Trotzdem lässt man bei einer Einladung was auf dem Teller liegen, weil man sonst damit ausdrückt, dass es nicht genug war
-Jungs und Mädels können hier befreundet sein, Händchen halten, sich auf den Hintern hauen, ... alles rein platonisch! Aber sobald sie sich verlieben tun sie nix mehr zusammen in der Öffentlichkeit, in einer Gruppe läuft der eine ganz vorn und die andere ganz hinten.
-Hier ist es ein Kompliment, wenn dir jemand sagt, wie fett du geworden bist...
-Es ist kein Problem, wenn man deine Brust sieht oder dein BH rausguckt, aber wehe man sieht dein Knie!!!
-Hier kann jeder Straßensperren errichten und Geld fürs durchlassen verlangen. Wenn du dich weigerst sind sie auch mit einem Kaugummi zufrieden.
-Weihnachten ist Sommerzeit
-Bei Gewitter sollten wir lieber nicht duschen, weil wir da einen Schlag gekommen könnten...
-Wir leben in einer Stadt, aber es gibt hier quasi keine Läden
-Viele Weiße denken, dass alle Afrikaner gleich aussehen. Und viele Afrikaner denken, dass alle Weißen gleich aussehen.
-Wenn die Afrikaner mit den Fingern zählen, dann fangen sie mit dem Kleinsten an, bis hin zum Daumen.

Und das war nur ein kleiner Einblick. Es gibt 1000 Sachen die unterschiedlich sind...

Samstag, 3. Oktober 2009

Unser Bad

ist eine Sache für sich! Wir haben ein Erlebnis-Duschbad, eine bewohnbare Toilette und automatische Frischlufteinspeisung...

Die Toilette:
Entlastet man sich auf der Toilette, schaue man zuerst unter die Brille, da man nicht weiß, wer oder was da mit einem zusammen hockt.
Hat man sein Geschäft verrichtet, benutz man das rosafarbene Hygienepapier, dass sich wie 80er Schleifpapier anfühlt – aber recycelt ist!!! Die Spülung erfolgt durch manuelles hochziehen des Stöpsels in dem Wasserbehälter, der auch immer mal wieder bewohnt ist. Bei Bedarf auch 3-4 mal benutzen. Bitte nicht stören lassen, falls eine Scharbe erschreckt aus der Ecke hinter der Toilette schlüpft.

Das Erlebnisbad:
Wir haben eine Badewanne. Die funktioniert sogar ohne Stöpsel. Denn der Abfluss ist so dicht, dass da nur ca. 100ml pro Std. durchgehen. Kleine Krabbeltiere finden den Weg allerdings schnell... Außerdem kommt dann einiges an Dreck wieder aus dem Gulli raus, was sich beim letzten Mal mit aller Kraft gewehrt hat weg gespült zu werden. Eine „Duschamatur“ gibt es in dem Sinne leider auch nicht. Man nehme also den 10l-Plastikeimer, fülle ihn an dem rechten Wasserhahn mit kaltem Wasser. Denn der Hahn für das warme Wasser (ja, er existiert!) funktioniert leider nicht. Da es aber eh zu warm ist um warm zu duschen ist das auch egal!
Wenn man sich dann nass macht, in der Badewanne kniend, mit dem Kopf in den Eimer gebeugt und mit dem Waschlappen versucht alle Stellen am Körper zu erwischen, ist es mir schon passiert, dass ich an die Riesendusche im Haus meiner Eltern gedacht habe...
Hat man es geschafft, sich überall ein zu schäumen und hinterher wieder ab zu waschen, kommt der beste Teil: man versucht das stehende Gewässer, in dem man grad noch bis zu den Waden stand, in den Eimer zu füllen um es dann in der Toilette zu entsorgen. Für den kleinen Rest am Ende gibt es dann den Messbecher...
Ungünstig ist es wenn genau in der Zeit, in der man eingeschäumt ist, der Strom ausfällt. Da man in der Regel abends duscht und die Sonne sich schon um halb 7 nicht mehr blicken lässt, ist es stockfinster. In diesem recht wahrscheinlichen Falle nehme man die Kerze vom Schrank und hoffe, dass ein Feuerzeug in greifbarer Nähe ist. Wenn nicht, hat auch das einen Vorteil: Man sieht die Tierchen nicht mehr, die jetzt im Schutz der Dunkelheit aus ihren Verstecken krabbeln.
Damit meine ich nicht die Ameisenstraße quer durch das Bad – diese gehört zum Inventar.
Die Klimaanlage sorgt für stetig frische Luft – zumindest wenn draußen ein wenig Wind weht. Das „Fenster“ besteht aus einem Rahmen mit Moskitonetz und einem netten Blümchenvorhang. Diverse Löcher im Boden und der breite Spalt unter der Tür machen die Circulation perfekt.